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Blogartikel: Schamgefühle vs. BDSM Fetischismus?


- Gehasster Fetischist -

Sind Scham- und Ekelgefühle Auslöser für Vorurteile und Ressentiments gegenüber dem Fetischismus?

 

Jeder von uns trägt sie in sich, jeden von uns begleiten sie schon lange – gemeint sind Scham- und Ekelgefühle, die sich bereits in der frühkindlichen Entwicklung eines Menschen formen. Dieser Formungsprozess vollzieht sich durch die Erziehung und das Vorleben der Bezugspersonen. Ein Kleinkind greift unbedarft nach einer Spinne und erquickt sich an dem schnellen Krabbeln oder dem ungewöhnlichen Aussehen. Meist bis zu dem Zeitpunkt, bis eine vertraute Person das erste Mal einen Schrei ertönen lässt und in Hektik und Panik die Spinne vertreibt. Das Kind beobachtet das entsprechende Verhalten und zieht seine Schlussfolgerungen daraus. Unruhe und Furcht können Gefahr bedeuten, auch ist die Aufregung des Erwachsenen zudem Bestätigung für das Kind – Die Spinne kann nur etwas Schlimmes sein. Die gewonnenen Lebensweisheiten werden auf das Kind abstrahiert. Dieses übernimmt diese in den meisten Fällen ungefiltert und wird fortan vermutlich auch mit Ablehnung einer Spinne begegnen. Die Leichtigkeit und vor allem die Unbedarftheit im Umgang mit Tatsachen schwindet mit zunehmendem Alter immer mehr.

Dieser Mechanismus des menschlichen Lernens ist uns angeboren und in unseren genetischen Anlagen tief verwurzelt. An sich ist dieser Lernvorgang überlebensnotwenig und auch bei den Tieren vorzufinden. So lernt das Junge, von welchen anderen Tieren Gefahr ausgeht oder sonst Bedrohliches lauert und wie es überleben kann. Im Grunde ist es so auch beim Menschen. Ein Kind wird vor Höhen gewarnt, um nicht zu stürzen; vor Feuer, um sich nicht zu verbrennen und vor vielem anderen, um dessen Wohl zu gewährleisten.

Schamgefühl wird erlernt

So lernt das Kind Stück für Stück, sich in der Welt zurechtzufinden und wird zunehmend autonomer. Das Vorbildverhalten, dem es beiwohnen kann, schenkt dem Kind schlichtweg Orientierung. Erst ab ungefähr fünf Jahren geht die Lehre der Entwicklungspsychologie davon aus, dass ein Kind in der Lage ist, eigenständig Gefahren einzuschätzen und adäquat darauf zu reagieren. Bis dahin vollzog sich schon ein Großteil der Bildung der Scham- und Ekelgefühle und wurden im Gehirn angelegt. So manche Phobie findet dahingehend ihren Ursprung in der frühen Kindheit.

Ekelempfinden ist zudem ein anerkannter Schutzmechanismus des Körpers und oftmals Lenker von Instinkten. Auch außerhalb der Erziehung und Kultivierung ist es vorhanden, um Erkrankung und Schaden des Leibes zu verhüten. Daher rührt unter anderem der Brechreiz bei verdorbenen Speisen. Unseren Sinnesrezeptoren kommt eine wichtige Rolle in der Erkennung und Kategorisierung von dem zu, was uns guttut und dem, was uns schaden könnte. Insofern sind die Sinneseindrücke eines Menschen eng mit dessen Ekel- und Schamgefühlen verwoben.  

Ein ähnlicher Sachverhalt zeigt sich im Umgang mit Körperhygiene und Schmutz. Auch das Bewusstsein bezüglich der eigenen Nacktheit bildet sich in dieser frühen Phase der kindlichen Entwicklung aus. Die Wahrnehmung der Menschen im sozialen und kulturellen Umfeld und wie sie mit ihrem nackten Körper umgehen, ob damit eine Natürlichkeit einher geht oder etwas Unanständiges, ist dafür sehr ausschlaggebend. Ebenso zeigt sich in der Aufnahme der Mahlzeiten oder bei Aufenthalten in der Natur, wie mit Verschmutzungen durch Essensreste oder durch Matsch und Dreck beim Spielen umgegangen wird. 

Darf sich das Kind schmutzig machen oder ist es verboten?

Wie reagieren die Vertrauenspersonen auf die verschmierten Wangen und die schlammigen Knie? Anhand dieser Reaktionen formt sich nach und nach das ureigene Bild im Umgang mit Reinlichkeit und den damit verbundenen Wertevorstellungen.

„Mit sauberem Gesicht siehst du viel schöner aus!“

„Dreckige Kleidung haben nur ungehobelte Kinder!“

„Wenn du dich nicht schmutzig machst, bist du schon ein großes Kind!“

Solche lapidaren Aussagen greifen sehr tief und rühren in unserem Unterbewusstsein und verankern sich dort meist für das gesamte weitere Leben. Diese Verwurzelungen prägen unser gesamtes Wertesystem und haben meist auch erheblichen Einfluss darauf, wie wir selbst als Eltern agieren und was wir an Grundsätzen an unsere Kinder weitertragen. Vornehmlich unreflektiert prägen diese Sätze unser späteres Verhalten im Erwachsenenalter.

Dem Hantieren mit diesen Erfahrungen und Prägungen aus unserer Kindheit und Jugend kommt ein hoher Stellenwert zu und bildet augenscheinlich eine Symbiose mit Verantwortung und Achtsamkeit in der Ausübung im Bereich des Fetischismus und der sexuellen Spielformen wie BDSM.

Was im Fetischismus und in der Submission durch Spielvarianten oder Erniedrigungstechniken angeregt wurde, hallt oftmals noch lange nach und bildet eine wichtige Gesprächsgrundlage für das Aftercare. Die Wirkung des Initiierens dieser tiefenpsychologischen Schichten im Charakter eines Menschen ist zumeist sehr stark und die Auswirkung derer mitunter nicht unmittelbar. Nahezu ähnlich den Tunnelspielen können Erlebnisse der Degradierung oder Konfrontation mit Ekel und Scham nachziehen und sich erst Tage oder Wochen später zeigen. Diese Dynamik nicht zu verkennen und im Auge zu behalten, um die Bindung und den Kontakt zu Sub nicht zu stören, zu unterbrechen oder gar zu verlieren, zeichnet sich als elementaren Kern im Miteinander aus. Von daher würde eine gut fundierte Vertrauensbasis vor Spielen mit Scham- und Ekelgefühlen ein guter, wenn nicht sogar empfehlenswerter Ansatzpunkt darstellen. Dieser Form der Zuwendung spielt es in die Karten, sich nach Möglichkeit im Vorfeld gut zu kennen und auch eine rege Kommunikation zu suchen. Auch hier gilt, dass der führende Part mit all seinem Bemühen nicht Gedanken lesen kann, auch wenn er den zu führenden Part lange kennt.

Dem devoten Menschen wäre hierbei angeraten, sich nicht zu genieren und Rückmeldung über das eigene Empfinden zu geben, damit die Weichen von Beginn an gut gestellt sind und nichts in schiefe Bahnen läuft. Erachtet es der führende Part als sinnvoll, über die benannten Grenzen hinaus zu schreiten, kann das seinen ganz eigenen Reizbürgen, doch sollte dieses Herausfordern sehr engmaschig mit dem zu führenden Beteiligten erfolgen. Solche intensiven Momente können eure Verbindung in ein neues Level heben, doch auch gleichsam viel Schönes zwischen euch zerstören. Einmal verletztes Vertrauen ist schwer zu kitten; dies wäre ein guter Gedanke, den es zu beherzigen sicherlich lohnt.

Eine besondere Rolle nimmt hierbei das Fetisch Spiel mit Körperflüssigkeiten ein.

Dabei kann das Spielen mit diesen besonders und aufregend sein, denn als ungehörig geltende Wege werden damit gesucht und das macht mitunter den Reiz dessen aus. Körperflüssigkeiten sind fast immer verfügbar und ein großartiges Geschenk der Natur. Da diese an sich oftmals Abfallprodukte unseres Körpers sind, ist eine natürliche Scheu davor zu haben absolut verständlich und sogar biologisch vorbestimmt. In diesem Zusammenhang möchte nochmals daran erinnert werden, dass Körpersekrete Krankheiten übertragen können und von daher ein solches Praktizieren nur in völliger Gesundheit aller Beteiligten ausgeübt werden kann. Auch ein Harnwegsinfekt oder eine Pilzinfektion sollten dabei in gegenseitigem Respekt nicht verschwiegen werden.

BDSM Party mit Schamgefühl

Innerhalb des Spektrums der Vielfalt an Körperflüssigkeiten kann der Kot, auch Kaviargenannt, eine außergewöhnliche Rolle einnehmen. Vermutlich haben viele von uns schon einmal als Baby mit den eigenen Exkrementen gespielt. Die Konsistenz und der Geruch als auch die taktile Wahrnehmung und nicht zuletzt der entsetzte Aufschrei der Bezugsperson beim Bemerken sorgen dafür, dass ein Kleinkinddieses sehr erheiternd finden kann. Bei Erwachsenen kann das Herantasten und Führen an diesen sehr intimen Bereich vielerlei Reaktionen hervorrufen –wohlgemerkt bei beiden Partnern. Nicht nur derjenige, der mit Kot aktiv in Kontakt kommt, sondern auch der Part, der das Hantieren damit beobachtet und Teil dessen ist oder den Kaviar schenkt, wird von Kotplaying nicht unberührt bleiben. Ratsam erscheint es, sich vor dem Auseinandersetzen mit Kot und anderen Körperausscheidungen zu informieren, wie diese sich physikalisch zum Beispiel an der Luft oder in Verbindung mit (Körper-) Wärme verhalten. Auch das Checken möglicher physikalischer Wirkungen und Nebenwirkungen im Zusammenspiel mit Materialien wie Latex oder Leder kann sich als sehr nützlich und hilfreich erweisen.

Mit anderen Abbauprodukten des Körpers wie zum Beispiel dem Urin, auch Natursekt genannt, verhält es sich im Grunde nicht anders. Sub willigt vielleicht gerne darin ein, in den Mund gepinkelt zu bekommen, doch möchte derweil nicht ihr kostbares Lederhalsband damit getränkt bekommen. Ebenso verspricht das Experimentieren mit Blut oder Periodenblut so manche Überraschung zu beinhalten. Eingefärbte Bettlaken sind wohl weniger Anlass zur Freude, denn das darin enthaltene Eiweiß lässt sich nur mit sehr heißen Temperaturen restlos herauswaschen und entfernen. Von daher nehmt vielleicht vorher das wertvolle Satinlaken vom Bett und bezieht dieses stattdessen lieber mit einer extra dafür angefertigten Unterlage, zum Beispiel einem Lack Bettlaken.

Neben den organisatorischen Vorbereitungen ist das gemeinsame Gespräch vor allen Aktivitäten enorm wichtig. Den zu führenden Part damit zu „überfallen“, ihm plötzlich in das Gesicht zu spucken oder auch den lenkenden Part zu konfrontieren mit dem Wunsch, er möge sein großes oder kleines Geschäft auf Subs Körper verrichten, kann beiden Parteien konsternierte Momente bereiten. Unvorhergesehenes kann sehr spannend sein. Im Bereich des Fetisch Spielens mit Körperflüssigkeiten wäre eine gewisse Behutsamkeit im Vorgehen jedoch wohl eher von Vorteil und ratsam, denn diese Praktiken tangieren nahezu immer verborgene Scham- und Ekelgefühle.

An dieser Stelle möge auch erwähnt sein, dass selbstverständlich auch der dominante Part jederzeit Praktiken ablehnen kann, welche seine Ekel- und Schamgrenzen überschreiten.

Er ist hierbei sowie grundsätzlich nicht verpflichtet allem zustimmen, was Sub von ihm möchte. Diese in Erscheinung tretende Erwartungshaltung, die manchmal in den Köpfen der Leute vorzufinden ist, kann den dominanten Part ganz unschön unter Druck setzen. Erst wenn sich beide vollkommen einig sind und konform miteinander gehen, können wundervolle gemeinsame Horizonte und Bindungen wachsen.

Ein weiterer Bereich, welcher zum Tragen kommt, ist die facettenreiche Welt der Liebhaberund Fetischisten der olfaktorischen Reize. Diese Begrifflichkeit meint, dass die sinnlichen Wahrnehmungen des Geruchssinns im Mittelpunkt stehen. Was bei dem einem Menschen absoluten Ekel auslösen kann, kann wiederrum bei dem anderen zu ungeahnten Wonnen führen. Die Bedeutung des Wortes „Stinken“ ist zumeist subjektiv in seiner Auslegung. Getragene Kleidung, verschmutzte Schuhe, Sekrete des Körpers und deren Duftentwicklung außerhalb des Körpers, Spiele mit Lebensmitteln – die bunte Einheit des Fetischs lebt von seiner Individualität und Toleranz. Nicht jeder muss jeden Fetisch toll finden, doch Leben und Leben lassen sollte oberste Devise im Miteinander innerhalb und außerhalb der Community sein.

Kinky BDSM und Fetischismus

Ein Fetisch bildet sich tendenziell im Jugendalter aus, kann jedoch auch erst im Erwachsenenalter oder bereits im Kindesalter entstehen. In dieser Zeit der Jugendjahre formt sich das sexuelle Denken und bilden sich Orientierungen, gestärkt durch gemachte Erfahrungen und Erlebnisse. Das wirkliche Bewusstsein für einen verinnerlichten Fetisch erfolgt vielmals erst im Erwachsenenalter, in welchem dieser dann zu Glücksmomenten, aber auch zu großen Gewissenskonflikten führen kann. Viele Personen leiden unter dem Druck der gesellschaftlichen Konventionen und fürchten soziale Ausgrenzung, würden sie ihre Neigung öffentlich transportieren. Diese Sorge ist durchaus nachvollziehbar, denn nicht jeder Fetisch ist bis dato gesellschaftlich akzeptiert. Einem Menschen, der gerne in die Rolle eines Adult-Babys schlüpft, kann mehr Verachtung entgegen schwappen als einem Menschen, der High Heels vergöttert. Bei Fetisch Stoffen ist dieses Phänomen zudem vorzufinden. Ein Mann, der gerne Latex Kleidung trägt, wird mehr belächelt, als eine Domina im Wetlook Catsuit. Dabei sollte es im Denken keine Einteilung von schicken und hippen Fetischen und verpönten und geächteten geben. Jedem steht es voll und ganz zu, etwas für sich persönlich als gut oder als schlecht zu bewerten, doch das Ausüben von Achtung und Toleranz in Bezug auf den legalen Fetisch eines Gegenübers ist eines der Attribute von Menschlichkeit und wäre wundervoll, diese Einstellung würde gepflegt werden von jedem von uns. Gerade auch in der BDSM-Szene, in der manchmal erschreckende Intoleranz untereinander herrscht.

Nun kann das Ausliefern in Bezug auf optische oder olfaktorische Reize eine reizvolle Komponente von Erniedrigungseinheiten sein, wenn Sub einmal an den verschwitzten Füßen riechen oder die eigene oder geschenkte Notdurft betrachten und vielleicht anfassen muss. Je nach individueller Veranlagung kann es für Sub jedoch auch angenehm und erregend sein, mit ihren Exkrementen oder ihrem eigenen Körpergeruch zu experimentieren.

Ebenfalls oftmals mit Schamgefühlen behaftet ist der persönliche Umgang mit Nacktheit.

Dazu gibt es vielerlei Auslegungen, doch einfach mal völlig nackt durch den Supermarkt zu schlendern würde wohl jeden von uns in irgendeiner Weise tangieren. Einmal abgesehen davon, dass dies strafbar wäre, denn öffentliches Ärgernis wollen wir mal lieber nicht erregen. Es zeigt keinen guten Stil, Unbeteiligten die eigene Sexualität aufzuzwingen, geschweige denn, dass auch Minderjährige unverhofft zu Zeugen werden könnten. Dieses Szenario gilt es eher zu vermeiden. Sessionen mit der Nacktheit im Zusammenhang mit der Öffentlichkeit setzen ein ganz besonderes Feingefühl des dominanten Parts und ein sehr umsichtiges Denken in der Ausführung voraus.

Dabei gilt die Illusion dem zu führenden Part zu implizieren, wenn er zum Beispiel an einem Betonpfeiler in der Nähe einer Straße ohne Bekleidung fixiert wird, jedoch davon ausgegangen werden kann, dass die Autofahrer sie aufgrund der Geschwindigkeit nicht wirklich sehen. Auch Spaziergänge mit Petplaying im Wald findet seine Feldwege, die nicht zum Hotspot gehören, jedoch mit der Unsicherheit spielen, es könnte doch ein Radfahrer oder Wanderer spontan um die Wegbiegung kommen. All diesen Situationen wohnt ein Kerngedanke inne: Das Nacktsein in der Öffentlichkeit scheint etwas Verbotenes oder ein Tabubruch zu sein. Eine ganze Reihe von Fetischen bedient sich an diesem verruchten Tun, um Exhibitionismus zu nähren.

BDSM Public und Schamgefühle

Unabhängig der Öffentlichkeit können ganz simple Momente dazu führen, dass Fetischsiten und/oder BDSMler sich schämen können. Die vermeintliche Selbstverständlichkeit des Beine-Spreizens zum Beispiel oder das Würgen bei einem intensiven Deepthroat. Auch wenn unbedachte Flatulenzen sich Gehör verschaffen oder urplötzlich aufgestoßen werden muss, kann dies gerade auch in einer Anfangsphase eines Zusammenseins zum Erröten führen und das wohlgemerkt auf beiden Seiten. Eine fehlende Erektion wegen überwältigender Gefühle oder ein als Makel empfundenes körperliches Merkmal wie eine Narbe können oftmals Schamgefühle hervorrufen, die aufgrund des hohen Peinlichkeitsfaktors nicht selten verschwiegen werden. Gerade diese feinen Nuancen gilt es im Miteinander zu erkennen und vor allen Dingen offen und locker anzusprechen. Über solche ganz normalen Vorgänge einfach zu lachen, kann da sehr entspannend und entkrampfend sein.

Das Selbstbild des jeweiligen Menschen steht dabei sehr im Mittelpunkt.

Frauen haben mitunter tendenziell eine verrückte Eigenwahrnehmung und finden diverse Körperstellen an sich unvorteilhaft in Beschaffenheit und Form. Aber nicht nur ihnen geht es so. Der perfekte Körper wird heutzutage fast schon vorausgesetzt, das zumindest ist die Meinung, welche in vielen Köpfen verankert ist. Mal ehrlich, wer kann schon die Frage beantworten, was als perfekt gilt und vor allem, wer will schon Perfektion? Perfektion bedeutet in der Regel auch, dass etwas fertig ist und sich nicht mehr weiterentwickeln kann. Wie langweilig ist das denn bitteschön?

Scham- und Ekelgefühle können mit Tabus einhergehen, müssen es aber nicht. Tabus können sich aus diesen bilden und formen, doch dieser Vorgang geht nicht zwangsläufig miteinander einher. Die Wahrscheinlichkeit liegt jedoch sehr nahe, dass es einen Zusammenhang zwischen Scham- und Ekelgefühlen und Tabus gibt. Von daher spielt im Fetischismus auch der Umgang mit Tabus und Tabubrüchen eine große Rolle.

Der Maledom und der Latex Sklave mit seiner Scham

Das Jonglieren mit Unerlaubtem, Tabubrüchen, vermeintlich Ekligem und Machtgefälle stellt das Herzstück der Erniedrigung dar und kann dadurch beim devoten Part diese Art von Gefühlen berühren. Beliebt kann dabei das Befehlen von ekelerregenden Dingen sein wie zum Beispiel das Essen von auf dem Boden liegenden Speisen oder das Küssen von Schuhen. Die Konfrontation mit Ekelgefühlen transportiert dem Befehlsgebendem Machtgefühle und hebt ein bestehendes Gefälle mal mehr mal weniger gewünscht hervor. Der devote Part vollzieht sich der Erniedrigung, da es der dominante Part so möchte und aufträgt. Natürlich ist diese Erniedrigung von beiden Seiten gewünscht und gewollt und schenkt beiden Beteiligten sowie in Gruppenkonstellationen allen Personen Gefallen und Befriedigung. Jede nicht-einvernehmliche Erniedrigungshandlung wäre eine Straftat und ein absolutes No Go.

 Wie können diese Handlungen zur Ekstase führen?

Wie bei einem Fetisch kann es sich mit Scham- und Ekelgefühlen auch verhalten. Deren Besitzer können sie in seelische Nöte versetzen und denjenigen Selbstkritik an sich ausüben lassen.

Andererseits zeigen wissenschaftliche Studien, dass das Durchleben und Überwinden einer schambehafteten Situation und die Ausübung einer mit Ekel belegten Handlung im Körper einen Adrenalinschub und andere Botenstoffe auslösen, die uns neurobiologisch gesehen in eine Art Euphorie versetzen. Das Blut pulsiert angeregt durch den Hormoncocktail schneller durch die Adern. Der gesamte Körperwird schlagartig in Aufregung und Anspannung versetzt. Dieses Praktizieren von Tabubrüchen und Besiegen von Schamgefühlen kann zu einer intensiven Befriedigung und immensen Einsicht führen.

Habt ihr euch schon einmal wie ein Schwein im Dreck gesuhlt? Oder euren Stuhl entleert während einer analen Penetration? Oder euren warmen Urin nach einer vollen Blase die Schenkel hinablaufen gefühlt?

Das Spiel mit Scham- und Ekelgefühlen kann euren Erfahrungsschatz mit wundervollen und sehr anregenden Sinneserfahrungen bereichern. Auch die inneren Körperfunktionen ganz bewusst zu steuern und zu fühlen und der Wechsel von Anspannung und Entspannung kann sich als sehr aufregend herausstellen, wenn ihr euch voll darauf einlassen wollt und könnt. Wie wäre es einmal mit einem wohltuenden Einlauf mit warmen Wasser? Ganz wichtig bei solchen sexuellen Praktiken ist das Informieren über gesundheitliche Risiken, um Unfälle zu verhüten. Keiner möchte eine Alkoholvergiftung oder dabei anwesend oder Verursacher sein, weil bei einem Klistier Sekt anstatt Wasser verwendet wurde. Darmwände nehmen Stoffe auf, nicht vergessen! Auch innerliche Verbrennungen von zu heißen Einläufen sind dringendst zu vermeiden. Doch zurück zum Hauptthema.

Wurde euch schon einmal unter den Blicken von Zuschauern die Aufforderung erteilt, eure Notdurft zu verrichten? Wurden euch schon einmal peinliche Aufträge erteilt oder war eine (öffentliche) Zuschaustellung eurer Nacktheit Teil der Session?

Bei diesen Vorgehensweisen wird psychologisch betrachtet in tiefste Bewusstseinsebenen eingetaucht. Sowohl beim devoten Part, als auch beim dominanten kann das Jonglieren mit Scham- und Ekelgefühlen die damit verbundenen Tabus und die eingeleiteten Grenzgänge zu bedeutsamen und tragenden Erkenntnissen und Einsichten führen. Und dadurch zu vollkommener Befriedigung durch die Erdung mit sich selbst.

Neben der bloßen und vielmals als schön empfundenen sinnlichen Erfahrung kann das Sich-Stellenseiner eigenen Ängste, Unsicherheiten und auferlegten Tabus einen enormen Reiz implizieren. Sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und einen Weg zu beschreiten, welcher unbekannt und vielfach gefürchtet sein kann; alleine schon aus diesen Gründen kann dieser Pfad als erfüllend und gleichsam als lehrreich wahrgenommen werden, unabhängig eines als positiv bewerteten Ausgangs. Wie erfreulich kann es da sein, wenn der dominante Part die Anlage und Bereitschaft zum Wegeinschlagen bei seinem devoten Part registriert und ihm das Glück der Selbsterfahrung schenken will, sein Sehen umsetzt. Einerseits kann aus Erniedrigungs-Sessions körperliche Stimulation gewonnen werden, andererseits liegt ein sehr starker mentaler Wert darin verborgen.

Soft Bondage und BDSM extreme mit Schamgefühl

Diese Fetisch Spielmomente können ein gewisses Wagnis darstellen und setzen absolut gefestigtes, gegenseitiges Vertrauen voraus. Vielleicht eignen sich solche Spielweisen eher nicht als Spiele für die Kennenlernzeit, Ausnahmen selbstverständlich beinhaltend? Wer weiß. Doch Fetischmomente vermögen die gelebte Submission in Sphären zu heben, die euch noch mehr zueinander finden lassen können und die euer gegenseitiges Band vermutlich noch mehr stärken werden. Bitte vergesst am besten nicht den engmaschigen Austausch dabei. Dann könnt ihr guten Gewissens und voller Vorfreude das spannende und schimmernde Terrain des Spielens mit Scham- und Ekelgefühlen betreten.

Ob ihr diesen Weg zunächst zu zweit begehen möchtet oder eher mit Einbezug von mehreren Menschen, liegt frei im Ermessen und der Entscheidungsfreiheit eines jeden von euch. Bedenkt bei der Variation mit mehreren Beteiligten, dass es dabei auch zu ungeahnten Geschehnissen führen kann, die ihr so im Vorfeld nicht habt kommen sehen. Das Für und Wider in aller Ruhe in Hinsicht eurer weiteren Vorgehensweise abzuwägen, um sich mit dem Ergebnis der Analyse wohlfühlen zu können. Ein Kredo für alle Beteiligten. Ob Fetischisten oder BDSMler.

Wie bei allen Praktiken und Techniken des Fetischismus und des BDSM gilt auch hier die Devise: Was mein (Spiel-)Partner nicht möchte und ablehnt, wird auch nicht stattfinden. Alle anderen Vorgehensweisen wären ein strafrechtlich relevanter Übergriff. Die Akzeptanz von persönlichen Tabus gehört zu einem respektvollen Miteinander unabdingbar dazu. Es ist völlig in Ordnung, dass ihr sie habt und ein wichtiger Teil dessen sind, was euch, eure Submission und euer Fetischismus ausmacht.

Wir befinden uns nicht in einem sportlichen Wettbewerb, in welchem Tabus verpönt und ein Zeichen von Schwäche sind. Führt euch bitte stets vor Augen: Ehrlichkeit und Authentizität gefallen und ehren euer Gegenüber und gleichsam euch selbst. Diese essentielle Grundlage bildet die Basis ein jeder Interaktion mit Scham- und Ekelgefühlen als auch jeglicher sonstigen sexuellen Übereinkunft, natürlich auch außerhalb der Welt des BDSM und des Fetischismus.

Free BDSM und Fetischismus ohne Schamgefühle

Auch ändern sich Menschen im Laufe der Jahre und somit auch innerhalb einer gemeinsamen Verbindung. Was zu Beginn vielleicht unangenehme Gefühle auslöste und scham- und ekelbehaftet war oder als Tabu definiert wurde, kann sich nach fünf Jahren einer Beziehung, nach drei Monaten oder auch schon nächste Woche ganz anders abzeichnen. Tendenzen und Abmachungen zeigen auf, wie wichtig ein regelmäßiger Gesprächsaustausch ist, denn solche wesentlichen Inhalte sind nicht einmal ausgesprochen und damit für immer in Stein gemeißelt.

Nein, sie können und dürfen sich auch wieder abwandeln. Eine spontane Umstimmung von Festgehaltenem innerhalb einer Spielsituation kann vorkommen und ist nicht mit Schande und Wankelmut gleichzusetzen. Manches wird erst im aktiven Tun erfahren und verarbeitet und kann in der Theorie zuvor nicht vollkommen erfasst und beurteilt werden. Erhebt in einem solchen Moment keine Schuldzuweisungen an euren Gegenpart oder bereitet diesem gar ein schlechtes Gewissen.

Lobt stattdessen die Bereitschaft zum Ausprobieren und zum willigen Versuch.

Manchmal kann eine als unangenehm empfundene Situation einige Zeit später als beglückend benannt werden. Kramt euch nicht unnötig und vergeudet keine Zeit im Säen von Zweifeln, denn diese können schlimmstenfalls im Verborgenen schwelen und das Klimauntereinander nach und nach beschweren oder gar vergiften.

Versucht wahrhaftig und entspannt mit euren Scham- und Ekelgefühlen und den damit verbundenen, vielleichtvorhandenen Tabus umzugehen, dann wird es richtig gut. Versprochen!


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